Videospiel mit Bärchen

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Reizvolles Spiel mit Bärchen.

In der Eingangshalle der Bundeskunsthalle lockt ein bärenstarkes Videospiel: Auf den Bildschirmen verteilen sich bis zu zehn Bärchen auf zwei Warteschlangen, und auch mein Sohn steuert seinen Bären mal nach links und mal nach rechts, um dessen Wartezeit zu verkürzen.

Doch das interaktive Bildschirmspiel entpuppt sich als Fälschung: „Kinder, ich muss euch enttäuschen: Das ist kein Touchscreen“, sagt ein Mitarbeiter des Museums. „Da muss man nichts machen. Das geht von selber.“ Wie ein kleines Schild verrät, handelt es sich tatsächlich um eine Film-Installation: Das Werk „Stay in Queue“ von Ferdinand Lutz läuft auf sechs Bildschirmen in 100 Sekunden immer wieder gleich ab.

Das Bärchenspiel kommt so täuschend echt rüber, dass immer neue Kinder darauf reinfallen und auf die Bildschirme tatschen. Offensichtlich haben sie in schwedischen und anderen Möbelhäusern schon zu oft Touchscreen-Spiele gemacht.

Doch mein Junior hat seine Lektion gelernt: „Das ist ein Film“, weist er seinen Nebenspieler brüsk zurecht. Doch der versucht’s trotzdem noch mal und merkt erst an seinen nichts ändernden Fingern, dass die bürokratischen Warteschlangenbärchen sich von selbst bewegen.

Wir betrachten all die hübschen kleinen Kinderhändeflecken auf den Bildschirmen und vermuten, dass die Bundeskunsthalle zurzeit einen eher erhöhten Glasreinigerverbrauch hat.

Kinder wie das Wetter

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Gänse in der herbstlich-wolkenlosen Rheinaue.

An manchen Tagen sind die kleinen Kinderseelen unbeständig wie das Herbstwetter. Erst Sonne, dann scheinbar nur noch Regen. Selbst wenn sie schulfrei haben, können die kleinen Sonnenscheine dauerbewölkt sein.

Ausgerechnet wenn keine echte Wolke am Himmel steht, brauen sich stimmungsmäßige Wärmegewitter zusammen – und das bei 13 Grad Celsius: Da wird gestritten und geärgert, dass die Fetzen fliegen. Und auch bei der Fahrradtour mit viel frischer Luft geht das Gezanke weiter.

Der blaue Himmel heitert die Gemüter nicht auf. Die Kette springt ab, und der Ständer knickt um, die Pausenpommes sind zu heiß, zu viel, zu voll mit Mayo. „Ich kann nicht mehr!“, klagt der eine, „Ich muss mal!“, mault die andere, und auf dem Spielplatz heißt es nur: „Die Seilbahn ist ja gar nicht mehr da!“

Doch plötzlich toben drei Silberstreifen über den Spielplatz und vergnügen sich beim Rudelrutschen, während der Papa die Strahlen der Herbstsonne genießt. Und nur ein Viertelstündchen später scheint auch im Inneren wieder die Sonne, und der Jüngste fragt ganz mild: „Papa, können wir jetzt ein Eis?“

Wasser mit Zitsch

Warum eigentlich immer die schweren Wasser-Kästen schleppen und nicht das gute Kranenbonner aus dem Hahn nehmen und mit Kohlensäure versetzen? Dachten wir uns und kauften einen Wasser-Aufsprudler mit schicken Glasflaschen im großen Warenmarkt der Stadt.

Endlich hatten wir unsere „Zitsche“. Doch das Gerät sprudelte nicht lange zuverlässig. Schon wenige Wochen später entwich immer wieder Kohlensäure, wo sie doch in die Flaschen hineingehen sollte. Also: reklamieren, einsenden, abwarten, Kästen schleppen.

Als die Zitsche wieder da war, dauerte es nicht lange, bis einmal der Aufsprudelstift unverrückbar zwischen Flaschenhals und Geräte-Innenwand stecken blieb. Und wieder hieß es: zurückbringen, einsenden, abwarten, Kästen schleppen.

Vor kurzem nun bemächtigten sich kleine Kinderhände der armen Zitsche und drehten und zogen – und plötzlich klemmte alles. Wie gut, dass das Gerät noch keine zwei Jahre alt war. Aber uns blieb erneut keine andere Wahl, also: einsenden, abwarten, Kästen schleppen.

Als wir die Zitsche zum dritten Mal abholten, meinte der Mann an der Reklamation nüchtern: „Das wurde wieder behoben.“ Dem Gerät lag allerdings eine Bedienungsanleitung zum Öffnen nach dem Sprudeln bei. Worauf wir uns fragten: Sind wir nun eigentlich zu doof – oder doch eher das Gerät?