Abschied von Goethe

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Da geht er hin, der alte Goethe.

Die schwierige Lage auf dem Wohnungsmarkt zwingt uns zu schmerzhaften Maßnahmen. Denn wenn keine Vergrößerung in Sicht ist und der Platz in den eigenen vier Wänden nicht mehr reicht, heißt es: Abschied nehmen von den Klassikern.

Mal ehrlich: Wer braucht acht Jahre nach dem Ende des Studiums noch das unterarmdicke Lexikon der Sprachwissenschaft oder die Gastvorlesungen von Ingo Schulze? Auch der gute alte Fontane mit seinen Wanderungen durch die Mark Brandenburg hat es zwar in unser Bücherregal geschafft, viel gelesen wurde er aber nicht. Dazu war die Konkurrenz oft zu groß.

Am meisten schmerzt der Abschied von der zehnbändigen Goethe-Studienausgabe. Sie dominierte Jahre lang das Regal, und den Wilhelm Meister und die Gedichte habe ich tatsächlich gelesen. Wenn sich Wahlverwandte nach so langer Zeit trennen, tut das weh. Zum Glück geben wir die Klassiker am Bücherschrank in gute Hände. Und Goethe tröstet uns: „Was einem angehört, wird man nicht los, und wenn man es wegwürfe.“

Unsere Fanmeilen

Drei Spiele vor dem Ende der EM wird es Zeit für eine Rudelgucker-Zwischenbilanz. Wir haben viele schöne Plätze erlebt, an denen es Spaß macht, gemeinsam Fußball zu gucken. Angefangen beim eigenen Wohnzimmer, wo man natürlich immer in der ersten Reihe sitzt und keine Plätze freihalten muss.

Aber gerade die deutschen Spieltage locken den Public Viewer in Bonn auf die Straße. Im Biergarten in der Rheinaue fiebern wir mit mehr als 880 Jugendsportlern und hoffen, dass Thomas Müller gegen Nordirland endlich einmal die Kugel versenkt. Doch noch muss der Stürmer sich gedulden.

Im Vereinsheim des Fußballclubs feiern wir gegen die Slowakei den Hammer-Boateng und den stürmischen Super-Draxler. Auch hier gibt es reichlich Grillgut, kühle Getränke und süße Nervennahrung. Das gehört einfach dazu.

Schließlich das irre Elfmeterschießen in der EM-Pizzeria unseres Vertrauens, wo wir nach dem finalen Hector-Schuss dem Chef des Hauses jubelnd in den Arm fallen – und wenig später dem freundlichen Stammgast unser Mitleid aussprechen, der heute aus familiären Herkunftsgründen für die Italiener war und sich dafür auch noch entschuldigte. Er wirkt nach dem entscheidenden Elfmeter nun ganz still und in sich gekehrt, während der Autokorso mit dem Hupkonzert beginnt.

Aber egal, wie es ausgeht: Alles bleibt friedlich und freundlich auf unseren Fanmeilen. So muss das auch sein.