Durch das Labyrinth

Nach dem Sturzregen betreten wir mit kühlem Kopf das Labyrinth in der Rheinaue. Mit der Familienkarte geht’s hinein, doch dann ist plötzlich jeder auf sich alleine gestellt. Nur der Vierjährige begleitet den langsamen Papa.

Zum Turm in der Mitte müssen wir gehen, doch hier verläuft kein roter Ariadne-Faden, der uns ins Herz des Labyrinths führt. Links oder rechts? So lautet die ewige Frage, und eine Antwort ist immer falsch. Schon stehen wir wieder vor einer gelben Wand. Umdrehen und neu versuchen, heißt die Devise.

Das Labyrinth ist voller Sackgassen, die der irrende Sohnemann liebevoll umtauft: „Schon wieder eine Sparkasse!“ Langsam werden wir ein wenig ungeduldig, denn andere Familien haben den Weg zum Ziel schon gefunden und belehren uns von oben, dass wir gerade „gaaanz fahalsch“ laufen. Was die Sache nicht einfacher macht.

Der Irrende hat wieder zwei Möglichkeiten: Sich ärgern oder mit einem Lächeln weitersuchen. Die gute Laune stört den Filius: „Papa, das ist nicht lustig!“ Doch dann, endlich, nach vielen Irrwegen führt der Königsweg auf den Turm und bietet eine Aussicht, die für vieles entschädigt. Wir lernen daraus: Irren ist menschlich. Und: Mit ein wenig Geduld kommen auch die Langsamen ans Ziel.

Verloren im Urlaub

Playmobilland

Playmobil-Piratenschiff zum sich Verlieren.

Zu den größten Sorgen von Eltern gehört, dass eines der lieben Kleinen im Urlaub verloren geht. Deshalb wachen die Großen bei Ausflügen mit Adleraugen über ihrer Brut, gerade wenn sie noch kleiner sind. Der  Schwierigkeitsgrad steigt mit der Zahl von Menschen, durch die sich die Familie bewegt.

Zum Beispiel in einem völlig überfüllten Vergnügungspark eines bekannten fränkischen Spielzeugherstellers. Dort können Kinder zwar ein Namensbändchen bekommen, auf dem Name und Handynummer der Eltern notiert werden, damit der ehrliche Finder das Kind zurückbringt. Doch viele verzichten auf die Nummer am Arm, oder die Kinder verlieren ihre Bändchen – um dann selbst verloren zu gehen.

So werden in schöner Regelmäßigkeit kleine Kinder ausgerufen und beschrieben, die am Piratenschiff, an der Ritterburg oder an der Riesenrutsche verschwunden sind. Wer den dreijährigen Finn oder die kleine Jule findet, möge sie zur Information oder zum Ausgang begleiten…

Weil an diesem Tag so viele Pänz verschwinden und wieder auftauchen, meint unser Vierjähriger betrübt: „Papa, ich möchte nicht verloren gegangen sein.“ Und am Ende eines langen Tages mit viel Lauferei fügt er einigermaßen erschöpft hinzu: „Zu Hause muss ich mich erst mal vom Urlaub ausruhen.“

Abschied von Goethe

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Da geht er hin, der alte Goethe.

Die schwierige Lage auf dem Wohnungsmarkt zwingt uns zu schmerzhaften Maßnahmen. Denn wenn keine Vergrößerung in Sicht ist und der Platz in den eigenen vier Wänden nicht mehr reicht, heißt es: Abschied nehmen von den Klassikern.

Mal ehrlich: Wer braucht acht Jahre nach dem Ende des Studiums noch das unterarmdicke Lexikon der Sprachwissenschaft oder die Gastvorlesungen von Ingo Schulze? Auch der gute alte Fontane mit seinen Wanderungen durch die Mark Brandenburg hat es zwar in unser Bücherregal geschafft, viel gelesen wurde er aber nicht. Dazu war die Konkurrenz oft zu groß.

Am meisten schmerzt der Abschied von der zehnbändigen Goethe-Studienausgabe. Sie dominierte Jahre lang das Regal, und den Wilhelm Meister und die Gedichte habe ich tatsächlich gelesen. Wenn sich Wahlverwandte nach so langer Zeit trennen, tut das weh. Zum Glück geben wir die Klassiker am Bücherschrank in gute Hände. Und Goethe tröstet uns: „Was einem angehört, wird man nicht los, und wenn man es wegwürfe.“