Kinder wie das Wetter

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Gänse in der herbstlich-wolkenlosen Rheinaue.

An manchen Tagen sind die kleinen Kinderseelen unbeständig wie das Herbstwetter. Erst Sonne, dann scheinbar nur noch Regen. Selbst wenn sie schulfrei haben, können die kleinen Sonnenscheine dauerbewölkt sein.

Ausgerechnet wenn keine echte Wolke am Himmel steht, brauen sich stimmungsmäßige Wärmegewitter zusammen – und das bei 13 Grad Celsius: Da wird gestritten und geärgert, dass die Fetzen fliegen. Und auch bei der Fahrradtour mit viel frischer Luft geht das Gezanke weiter.

Der blaue Himmel heitert die Gemüter nicht auf. Die Kette springt ab, und der Ständer knickt um, die Pausenpommes sind zu heiß, zu viel, zu voll mit Mayo. „Ich kann nicht mehr!“, klagt der eine, „Ich muss mal!“, mault die andere, und auf dem Spielplatz heißt es nur: „Die Seilbahn ist ja gar nicht mehr da!“

Doch plötzlich toben drei Silberstreifen über den Spielplatz und vergnügen sich beim Rudelrutschen, während der Papa die Strahlen der Herbstsonne genießt. Und nur ein Viertelstündchen später scheint auch im Inneren wieder die Sonne, und der Jüngste fragt ganz mild: „Papa, können wir jetzt ein Eis?“

Wasser mit Zitsch

Warum eigentlich immer die schweren Wasser-Kästen schleppen und nicht das gute Kranenbonner aus dem Hahn nehmen und mit Kohlensäure versetzen? Dachten wir uns und kauften einen Wasser-Aufsprudler mit schicken Glasflaschen im großen Warenmarkt der Stadt.

Endlich hatten wir unsere „Zitsche“. Doch das Gerät sprudelte nicht lange zuverlässig. Schon wenige Wochen später entwich immer wieder Kohlensäure, wo sie doch in die Flaschen hineingehen sollte. Also: reklamieren, einsenden, abwarten, Kästen schleppen.

Als die Zitsche wieder da war, dauerte es nicht lange, bis einmal der Aufsprudelstift unverrückbar zwischen Flaschenhals und Geräte-Innenwand stecken blieb. Und wieder hieß es: zurückbringen, einsenden, abwarten, Kästen schleppen.

Vor kurzem nun bemächtigten sich kleine Kinderhände der armen Zitsche und drehten und zogen – und plötzlich klemmte alles. Wie gut, dass das Gerät noch keine zwei Jahre alt war. Aber uns blieb erneut keine andere Wahl, also: einsenden, abwarten, Kästen schleppen.

Als wir die Zitsche zum dritten Mal abholten, meinte der Mann an der Reklamation nüchtern: „Das wurde wieder behoben.“ Dem Gerät lag allerdings eine Bedienungsanleitung zum Öffnen nach dem Sprudeln bei. Worauf wir uns fragten: Sind wir nun eigentlich zu doof – oder doch eher das Gerät?

Durch das Labyrinth

Nach dem Sturzregen betreten wir mit kühlem Kopf das Labyrinth in der Rheinaue. Mit der Familienkarte geht’s hinein, doch dann ist plötzlich jeder auf sich alleine gestellt. Nur der Vierjährige begleitet den langsamen Papa.

Zum Turm in der Mitte müssen wir gehen, doch hier verläuft kein roter Ariadne-Faden, der uns ins Herz des Labyrinths führt. Links oder rechts? So lautet die ewige Frage, und eine Antwort ist immer falsch. Schon stehen wir wieder vor einer gelben Wand. Umdrehen und neu versuchen, heißt die Devise.

Das Labyrinth ist voller Sackgassen, die der irrende Sohnemann liebevoll umtauft: „Schon wieder eine Sparkasse!“ Langsam werden wir ein wenig ungeduldig, denn andere Familien haben den Weg zum Ziel schon gefunden und belehren uns von oben, dass wir gerade „gaaanz fahalsch“ laufen. Was die Sache nicht einfacher macht.

Der Irrende hat wieder zwei Möglichkeiten: Sich ärgern oder mit einem Lächeln weitersuchen. Die gute Laune stört den Filius: „Papa, das ist nicht lustig!“ Doch dann, endlich, nach vielen Irrwegen führt der Königsweg auf den Turm und bietet eine Aussicht, die für vieles entschädigt. Wir lernen daraus: Irren ist menschlich. Und: Mit ein wenig Geduld kommen auch die Langsamen ans Ziel.