Aufschieben mit Stil

Prokrastination ist nach Kathrin Passig und Sascha Lobo die Kunst, Dinge so lange aufzuschieben, bis die allerletzten Fristsetzer entnervt kapitulieren. Dinge geregelt zu kriegen ohne einen Funken Selbstdisziplin, das sei die Kunst des stilvollen Aufschiebens.
Und tatsächlich: Wer nicht aufschiebt, bringt sich um die schönsten Freuden – wie einen überquellenden Briefkasten mit freundlichen schriftlichen Erinnerungen und auch den allerbesten Mahnungen, die je in deutscher Sprache aufgeschrieben wurden. Unter den Mahnern gibt es solche, die sehr langmütig daherkommen und erst ganz spät mit Mahngebühren oder gar der Parkkralle und anderen Pfändungen drohen.
Und dann gibt es solche, die kennen kein Pardon und mahnen den Aufschieber schon, wenn er drei Tage nach Rechnungsdatum noch nicht bezahlt, obwohl er den Wisch wegen eines Post-Streiks erst gerade erhalten hat.
So erreichte eine uns nahestehende Einrichtung vor kurzem eine „Mahnung mit Gebühren“, die in den Kanon der deutschsprachigen Mahnliteratur aufgenommen werden sollte. Darin heißt es: „Sehr geehrte Damen und Herren, trotz unseres kleinen Hinweises üben wir uns seit einigen Tagen in der Kunst der Geduld. Sie können unsere Geduld belohnen, indem Sie uns bis zum 6.4.2015 den fälligen Betrag incl. Mahngebühren und Zinsen überweisen.“ So sei es!

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