Waffeln statt Waffen

Wer einen Tapeziertisch für den Altstadt-Flohmarkt kauft, ist kein Handwerker, sondern ein Händler. Und der Frühlingssamstag zum Kirschblütenfest eignet sich wieder einmal perfekt, um kleine und etwas größere Flöhe ab 50 Cent unters Flaniervolk zu bringen.

Die Waren wechseln den Besitzer. Dabei haben sie es oft gar nicht so weit – gerade wenn Kinder dabei sind. Dann geht der Playmobil-Zirkus für einen Spottpreis von zwei Euro zum Tischnachbarn rüber. Im Gegenzug bekommt das lustige Pferd mit Wieher- und Trappel-Geräuschen ebenfalls schnell eine neue Heimat. Manche unserer Ladenhüter bleiben dagegen weiterhin: Ladenhüter.

Aber das ist gar nicht so schlimm, weil ja das Drumherum stimmt. Es ist ein bisschen wie auf einem Kindergeburtstag: Die Altstadt feiert sich selbst, und alle kommen. Es gibt Kuchen und Würstchen im Brötchen und Kaffee und Sekt und Bier. Und sogar fliegende Waffeln.

Nebenan haben die Nachbarn nämlich eine Waffelrutschbahn aufgebaut, die aus dem Obergeschoss Waffeln nach unten befördert. Und wer seine Waffel nicht herabgerutscht haben möchte, kann sie auch aus der Luft fangen unter dem großen Waffel-Katapult. Dazu spielen extrem talentierte Kleinkünstler auf einer Hammond-Orgel und singen näselnd durch ein Telefon-Megaphon. Das ist den ganzen Nachmittag über sehr unterhaltsam. Und die süßen Köstlichkeiten fliegen und rutschen für einen guten Zweck durch die Straße. Frei nach dem „Brot statt Böller“-Gedanken heißt es heute: Waffeln statt Waffen. Noch ein Grund mehr, dieses Veedel zu lieben.

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